Im Juli 2011 vereinbarten SPD, CDU und Bündnis 90/Die Grünen in NRW einen Schulkonsens, der bis 2023 gelten soll. Hierin heißt es u. a.: „Der Schüler/innenrückgang und das veränderte Elternwahlverhalten zwingen zu Veränderungen der Schulstruktur.“

Der Verfassungsrang der Hauptschule wurde abgeschafft und als neue integrierte Schulform die Sekundarschule eingeführt. Die Sekundarschule ist eine Gesamtschule ohne Oberstufe, die einen Kooperationspartner mit Oberstufe benötigt. Seit dem Schulkonsens sind schon 155 Schulen des längeren gemeinsamen Lernens gegründet worden und weitere 50 werden zum neuen Schuljahr dazu kommen. Das bedeutet fast eine Verdoppelung der Anzahl der integrierten Schulen innerhalb von nur drei Jahren.

Diese erfreuliche Gründungswelle führt aber auch zu Verwerfungen und zu Entwicklungen, die kritisch zu betrachten sind. Die GGG NRW und die Schulleitungsvereinigung der Gesamtschulen NRW (SLVGE NRW) führten dazu im Februar die zweite Fachtagung zum Schulkonsens durch. Ein Ergebnis war die nachfolgende gemeinsame Presseerklärung.

Presseerklärung

Der Elternwunsch nach Gesamtschulen und Sekundarschulen ist ungebrochen. Seit dem Schulkonsens sind in NRW schon 155 Schulen des längeren gemeinsamen Lernens gegründet worden. Weitere 50 Gesamtschulen und Sekundarschulen sind zum kommenden Schuljahr beantragt. Die Dynamik in der Schulentwicklung ist beeindruckend. Die Qualität und die Auswirkungen dieser Schulgründungen sind im Lande allerdings regional sehr unterschiedlich. Sie werden auch von den Gesamtschulen vor Ort durchaus differenziert beurteilt.

Die Politik der Ermöglichung im Interesse kommunaler Schulentwicklung muss bei Neugründungen durch qualitätssichernde Standards des Landes ergänzt werden.

Gesamtschulen, Gemeinschaftsschulen und Sekundarschulen haben ein breiteres Aufgabenspektrum als die selektiven Schulformen. Sie führen bildungsnahe und bildungsferne Schüler/innen gleichermaßen zum Abitur. Sie stellen sich aber auch der Inklusion. Die Gesamtschulen in NRW haben schon lange erfolgreich den Teufelskreis von sozialer Benachteiligung und Bildungsbenachteiligung durchbrochen. Aber auch Schulen brauchen Unterstützung. Auch hier gilt: Ungleiches muss ungleich behandelt werden.

Unter Beteiligung des renommierten Schulforschers Dr. Ernst Rösner und im Gespräch mit den beiden schulpolitischen Sprechern der Koalition im Landtag, Renate Hendricks (SPD) und Sigrid Beer (Bündnis 90/Die Grünen) wurden diese Problemfelder und deren Lösungsansätze beraten.

Behrend Heeren