Gemeinnützige Gesellschaft Gesamtschule – Verband für Schulen des gemeinsamen Lernens e.V.

Gemeinnützige Gesellschaft Gesamtschule – Verband für Schulen des gemeinsamen Lernens e.V.

Landesverband Hamburg

Nachruf für Gert Rauschning

Gert Rauschning, ein Gründungsmitglied des Landesverbands Hamburg in der GGG und Leiter der Abteilung Gesamtschulen im Amt für Schule von 2000 bis 2006, ist am 1. September 2026 nach kurzer schwerer Krankheit gestorben.

Mit ihm verliert die GGG in Hamburg eine der prägendsten Kräfte der Gesamtschulbewegung in den vergangenen Jahrzehnten seit der Gründung der ersten Gesamtschulen.
Gert gehörte zu den Mitbegründern des Landesverbands Hamburg in der GGG und war Mitglied der ersten Landesvorstände, von 1976 bis 1978 war er auch deren 1. Vorsitzender.
Er baute die Gesamtschule Horn, eine der ersten Gesamtschulgründungen in Hamburg, mit auf und wurde dort schnell zum didaktischen Leiter. 1993 dehnte er seinen Wirkungskreis aus und gestaltete als Grundsatzreferent für die Gesamtschulen im Amt für Schule die weitere Entwicklung der Hamburger Gesamtschulen. 2000 übernahm er dann die Leitung der Abteilung Gesamtschulen bis zu seiner Pensionierung 2006.
Mit Gert Rauschning hatten wir einen Vertreter in der Behörde, der sich 100-prozentig mit der Gesamtschulidee identifizierte und sich auch gegen erheblichen Druck aus der Politik und von anderen Vertretern in der Behörde für die Gesamtschule eingesetzt und für ihre Interessen gekämpft hat . Dabei hat er immer den Kontakt zur GGG gehalten und mit ihr zusammen Zukunftsperspektiven ausgelotet und Schulen bei Schulentwicklungsprozessen unterstützt.
Als Grundsatzreferent für die Gesamtschulen hat er sich sehr dafür eingesetzt, die äußere Fachleistungsdifferenzierung zu überwinden und sie durch binnendifferenzierenden Unterricht zu ersetzen, indem er für entsprechende Formulierungen in den Ausführungsbestimmungen sorgte.
Zweifeln an der Leistungsfähigkeit der Gesamtschulen setzte er wissenschaftliche Untersuchungen entgegen. Als Unterstützer und Mitinitiator der empirischen Wende in Hamburg verdeutlichte er einerseits die Leistungen unserer Schulform nach außen, andererseits trieben die Ergebnisse die Schulen in ihren Entwicklungsprozessen nach innen voran.
Im Jahr 2002 verfügte der damalige Senator Rudolf Lange (FDP – in der CDU/Schill-Partei/FDP-Koalition) eine 10-prozentige Kürzung der Ausstattung der Gesamtschulen. Es ging um 150 Stellen, die aus den Gesamtschulen innerhalb kürzester Zeit abgezogen werden sollten. Es standen nur 4-5 Wochen zur Verfügung um dafür ein Konzept oder einen „Maßnahmen-Giftcocktail“ (wie Gert ihn auch öffentlich selbst nannte) zu erarbeiten. Seine in den Mitteilungen für die Schulleitungen hieran geäußerte öffentliche Kritik brachte ihm ein Disziplinarverfahren ein. Aber auch 60 Mitglieder von Leitungsgruppen der Gesamtschulen sprachen sich mit einer Remonstration gegen die verfügten Maßnahmen zu den Einsparungen aus.
In unserer Jubiläumsschrift zum 50-jährigen Bestehen des Landesverbands Hamburg der GGG 2019 baten wir alle ehemaligen Landesvorsitzenden um ein Statement. Die Aussagen von Gert machen deutlich, wie er auf seine Arbeit für die Gesamtschulen geblickt hat:
„Wir machen Gesamtschule nicht für eine Lobby, nicht für einen Senator oder eine Senatorin, nicht für eine politische Partei, die Gesamtschulen in ihrem politischen Programm hatte oder hat! Wir machen Gesamtschule gegen fast unausrottbare Vorurteile; wir gewinnen Bestätigung – wenn, dann – aus erfolgreicher Arbeit mit unseren Schülerinnen und Schülern, aus der Zufriedenheit der Eltern, die ihre Kinder unseren Schulen anvertraut haben und nicht zuletzt aus unserer eigenen Überzeugung für die richtige Sache zu stehen, für eine Schule, die in ihren Grundsätzen zu einer demokratischen und vielfältigen Gesellschaft passt, und der es auch bei Gegenwind und verknappten Ressourcen gelingt, formale Zwänge in erfolgreichen Reformentwicklungen zu überwinden.“

Die GGG und die Gesamtschulbewegung in Hamburg sind Gert Rauschning zu großem Dank verpflichtet und werden ihn in ehrenvoller Erinnerung behalten.