Auf dem richtigen Weg – aber konsequent und zügig handeln
Die GGG Niedersachsen nimmt die Ausführungen von Kultusministerin Hamburg zur aktuellen Unterrichtsversorgung in Niedersachsen mit Interesse zur Kenntnis. Die erkennbaren Bemühungen des Ministeriums, insbesondere die Schaffung zusätzlicher Lehrerstellen, werden ausdrücklich anerkannt. Angesichts des bundesweit bestehenden Lehrkräftemangels sowie steigender Schüler:innenzahlen ist nachvollziehbar, dass Verbesserungen der Unterrichtsversorgung nicht kurzfristig in vollem Umfang wirksam werden können. Auch die Anhebung der Grundbezüge auf A13 für alle Lehrkräfte stellt einen wichtigen und richtigen Schritt dar.
Ziel muss aber weiterhin sein, eine Unterrichtsversorgung an allen Schulen anzustreben, die nicht nur das „Pflichtprogramm“ inklusive Ganztag und Inklusion abdeckt, sondern auch Reserven für Krankheit oder andere Ausfälle von Lehrkräften berücksichtigt.
Wenig überraschend ist jedoch, dass neu eingestellte Lehrkräfte verstärkt von Teilzeitregelungen Gebrauch machen und Stellen in bestimmten, weniger attraktiven Regionen zunehmend meiden. Gerade hier besteht dringender Handlungsbedarf. Es bedarf schneller und wirksamer Maßnahmen, um die Unterrichtsversorgung insbesondere in diesen Regionen nachhaltig zu sichern. In der Vergangenheit gab es hierfür bereits erprobte Instrumente, etwa regionale Bindungsmodelle, bei denen eine temporäre Tätigkeit in bestimmten Regionen perspektivisch den Wechsel in eine Wunschregion ermöglicht hat.
Darüber hinaus sind verbindliche Absprachen mit den Schulträgern notwendig, um die Annahme von Stellen in nicht bevorzugten Regionen attraktiver zu gestalten. Auch hierfür existieren bewährte Vorbilder aus früheren Jahren, an die angeknüpft werden kann.
Zudem sollten Abordnungen von Lehrkräften aus überversorgten Schulen an andere Schulformen stärker geprüft und umgesetzt werden – jedoch stets in enger Abstimmung mit den betroffenen Lehrkräften.
Mit Nachdruck warnt die GGG Niedersachsen allerdings davor, die Stunden für den Ganztag und für die Inklusion als bloße „Verschiebemasse“ zu behandeln.
Eine solche Praxis schwächt gezielt jene Schulen, die sich den Herausforderungen von Inklusion und qualitativ hochwertigem Ganztag stellen.
Die GGG Niedersachsen fordert daher das Kultusministerium nachdrücklich auf, die Stunden für Ganztag und Inklusion nicht länger als Zusatzbedarf, sondern als unverzichtbaren Grundbedarf der Schulen anzuerkennen und entsprechend abzusichern. Damit würde das Kultusministerium eine zentrale Voraussetzung für nachhaltige Schulentwicklung, pädagogische Qualität und Chancengerechtigkeit schaffen.
Geschäftsstelle GGG – Niedersachsen