Gemeinnützige Gesellschaft Gesamtschule – Verband für Schulen des gemeinsamen Lernens e.V.

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Landesverband Hamburg

Pilotprojekt Flexible Oberstufe in Hamburg

Im rot-grünen Koalitionsvertrag für die Jahre bis 2030 war es in knappen Worten angekündigt worden: „Ein Pilotprojekt zur flexiblen Oberstufe wird mit interessierten Schulen auf den Weg gebracht.“ Nun folgten den Worten Taten.

Mehr als 200 Teilnehmer:innen hatten sich am Freitagnachmittag, dem 17. April, in der Stadtteilschule Eppendorf eingefunden, um sich über Möglichkeiten einer solchen flexiblen Oberstufe zu informieren.  Neben Vertreter:innen Hamburger Stadtteilschulen, Gymnasien und Berufsschulen hatten sich auch hochrangige Vertreter:innen von Verbänden, der GGG, der GEW, des Landesinstituts und der Eltern-, Schüler- und Lehrerkammer eingefunden. Eingeladen hatte die Arbeitsgemeinschaft für Bildung der SPD und die Landesarbeitsgemeinschaft Bildung der GRÜNEN. Der achtköpfigen Vorbereitungsgruppe, die aus Mitgliedern der beiden Parteien, der GGG und der „Initiative Flexible Oberstufe“ bestand, war ganz offensichtlich ein hochattraktives Programm gelungen. Auch die Resonanz in der Presse war erfreulich: TAZ-Hamburg und das Hamburger Abendblatt hatten vor der Veranstaltung ausführlich über das Vorhaben berichtet

 

Einblicke in internationale Perspektiven zeigen, was möglich und sinnvoll ist

Den Auftakt bildete ein Referat von Professorin Dr. Anne Sliwka und Dominik Maxelon (beide Institut für Bildungswissenschaft der Universität Heidelberg). Die Expert:innen berichteten, anknüpfend an einen erweiterten Kompetenzbegriff, von internationalen Beispielen (Finnland, Kanada, Australien, Singapur) für individuelle, z.T. modularisierte Bildungswege und alternative Prüfungsformate. Ein Beitrag, der den Zuhörer:innen den Blick erweiterte und Mut machte.

 

Praxis- und Innovationsimpulse stießen auf hohes Interesse

In jeweils zwei einstündigen Zeitschienen wurden Hamburger Praxisimpulse und externe Innovationsimpulse angeboten. Die Hamburger Praxisimpulse – darunter Dalton-Pädagogik, selbst organisiertes Lernen in Lernlandschaften, Projektlernen in Selbstverantwortung und veränderte Prüfungsformate – zeigten auf, dass auch innerhalb bestehender Oberstufenverordnungen kreativ neue Lern- und Prüfungsformate entwickelt werden können. Die externen Innovationsimpulse wurden weitgehend von Vertreter:innen der „Initiative Flexible Oberstufe“ getragen. Über Flexibilisierungsansätze in der Eingangsphase (z.B. Transition Year in Irland oder individualisierte Sprachförderprogramme), additive Aufteilungen von Prüfungsleistungen im Abitur, jahrgangsübergreifendes Lernen bis hin zu alternativen Prüfungsformaten bot diese Workshopschiene Gelegenheit, über den Tellerrand hinauszuschauen.

 

Die Senatorin ordnete das Pilotprojekt politisch ein

Die Rede der Senatorin, Ksenija Bekeris  (SPD), war mit Spannung erwartet worden. Die Senatorin ordnete das Anliegen „Pilotprojekt Flexible Oberstufe“ ein: Sie hob hervor, dass es gegenwärtig in Hamburg um die Rechtsverordnung für die Sekundarstufe II ginge und sie hoffe, dies bis zum Sommer 2026 finalisiert zu haben. Zugleich zeigte sie sich offen für Neues und machte den Rahmen deutlich, innerhalb dessen sich ein solches Pilotprojekt bewegen sollte. Die Debatte um eine flexible Oberstufe, so Bekeris, dürfe nicht Projektionsfläche für eine erneute Strukturdebatte in der Hansestadt werden. Aus ihrer Sicht sei das Zweisäulensystem mit G8 an Gymnasien und neunjährigem Bildungsgang an Stadtteilschulen erfolgreich. Letztendlich müsse ein solcher Pilotversuch einen Beitrag zu mehr Chancengerechtigkeit und zu mehr Demokratie leisten.

 

Wie es weiter geht

Die Ergebnisse der Tagung und daraus folgende Arbeitsvorhaben werden, so die Zusage der Senatorin, mit der Behörde kommuniziert und weiter bearbeitet. 24 Schulen (12 Stadtteilschulen, 8 Gymnasien und 4 berufliche Schulen) haben inzwischen ihr Interesse an einer Weiterarbeit in einem Netzwerk bekundet. Ein spannender Prozess. Wir werden berichten.

 

Barbara Riekmann