Gemeinnützige Gesellschaft Gesamtschule – Verband für Schulen des gemeinsamen Lernens e.V.

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Landesverband Schleswig-Holstein
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Schleswig-Holstein

Newsletter GGG-SH Ende Mai 2026: Große Anfrage zu Gemeinschaftsschulen zeigt krasse Benachteiligung

Die Große Anfrage der SPD-Landtagsfraktion zur Situation der Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufe erbrachte, was in der Praxis schon lange bekannt war: Diese Schulen leisten den Löwenanteil von Inklusion und Integration, kümmern sich individuell um Kinder mit unterschiedlichen Problemlagen, haben oft gute Erfolge bei schwierigem Sozialindex, können mit besonderen Angeboten und sogar Exzellenzprogrammen aufwarten – bekommen aber von der Landesregierung bei weitem nicht die notwendige Unterstützung. So ist der Mangel an Nachwuchslehrkräften in Gemeinschaftsschulen, die über keine eigene Oberstufe verfügen, dreimal so stark ausgeprägt wie an solchen mit Oberstufe; und immer noch doppelt so stark wie an Gymnasien. Im Ergebnis wird dort weit häufiger ohne vollständige fachliche und/oder pädagogische Ausbildung unterrichtet. Das liegt auch daran, dass manche Fächer in Schleswig-Holstein von vornherein in Theorie und Praxis für das Höhere Lehramt vorgesehen sind, sodass die Gemeinschaftsschulen ohne eigene Oberstufe vom Nachwuchs regelrecht abgeschnitten werden. Dies gilt z.B. für die Fremdsprachen, sodass die Bemerkung des Ministeriums, an den GemS gebe es besonders viele interkulturelle Kontakte, wie eine zynische Ausflucht wirkt.

Gibt es diese Kontakte doch vor allem, weil sich die Gymnasien eben nicht um interkulturelle Integration kümmern und alle Schüler*innen mit besonderen sprachlichen oder anderen Bedürfnissen beizeiten „abschulen“! Dagegen fordert die GGG Schleswig-Holstein eine „Kultur des Behaltens“, damit Kinder an der Schule, die sie ab Klasse 5 besuchen, auch ihren Abschluss machen können.

GGG Schleswig-Holstein trifft sich mit GEW-Spitze

Dies war auch Thema eines Gesprächs zwischen GGG und GEW im Gewerkschaftshaus in Kiel, wo es inhaltlich um Bildungsgerechtigkeit und das Ziel „einer Schule für alle“ ging – sowie strategisch um eine Beteiligung an einer „Druckkampagne“ der Gewerkschaft im Vorfeld der Landtagswahl am 18. April 2027. Sobald konkrete Planungen vorliegen, werden wir an dieser Stelle wieder berichten.

Ein Thema, das die GGG bei anstehenden Gesprächen im Bildungsministerium besonders bewegt, ist die rapide ansteigende Schulabbrecher*innenquote und der fast vollständige Verlust an Chancen zum „geraden“ Bildungsaufstieg. So ist die Zahl der Jugendlichen, die nach dem Besuch einer Gemeinschaftsschule oder DaZ-Klasse in eine allgemeinbildende Oberstufe wechseln, über einen Zeitraum von zehn Jahren auf ein Drittel eingebrochen – im Vergleich mit einem „Zwischenhoch“ vor sieben Jahren sogar auf ein Fünftel! Nichts gegen die freiwillige Bevorzugung einer Berufsausbildung, aber die Daten lassen zweifeln. Dies gilt umso mehr, als die Gesamtzahlen, jedenfalls in den Abschlussjahrgängen, vorerst weiter angestiegen sind.

Die Quote der Schüler*innen, die eine Gemeinschaftsschule ohne Abschluss verlassen, ist ebenfalls innerhalb von sieben Jahren um fast zwei Prozentpunkte (von 7% auf 8,7%) angewachsen. Hinzu kommen sonderpädagogische Abschlüsse in Höhe von ca. 5%, die sich für eine Ausbildung nicht verwerten lassen. Zugleich ist die Quote der ESA-Abschlüsse an GemS von 29% auf 36% angestiegen und diejenige der MSA-Abschlüsse hier von 60 auf ca. 51% gesunken. Wenn der Landesregierung noch irgendetwas an Bildungsdurchlässigkeit liegt, muss sie umgehend gegensteuern!

Cornelia Östreich

Link zur Großen Anfrage der SPD: https://www.landtag.ltsh.de/infothek/wahl20/drucks/04300/drucksache-20-04330.pdf