Gemeinnützige Gesellschaft Gesamtschule – Verband für Schulen des gemeinsamen Lernens e.V.

Gemeinnützige Gesellschaft Gesamtschule – Verband für Schulen des gemeinsamen Lernens e.V.

Landesverband Berlin

41 neue Schulen – Fehlende Zielklarheit in der Bildungspolitik Berlin

Es ist eine großartige Leistung, was in Berlin geschafft wurde:
41 neue Schulbauten (z.T. innerhalb bestehender Schulstandorte), 62000 neue Schulplätze in 10 Jahren – toll.
Sieht man genauer hin ergibt sich eine kritischere Beurteilung, weil die Politik versäumt hat, die Anforderungen, die durch die Ratifizierung der Behindertenrechtskonvention 2009 gegeben sind, nicht oder nur ungenügend berücksichtigt hat. Inklusion bedeutet, dass alle Menschen von Anfang an ganz selbstverständlich dazugehören und überall mitmachen dürfen. (Lebenshilfe e.V.). Legt man diese Definition zu Grunde verfehlt die Berliner Bildungspolitik das Ziel. Es ist den handelnden Politikern nicht klar, wie die Berliner Schullandschaft in 10 … 20 Jahren aussehen soll. Ein inklusives Schulsystem kann es mit exklusiven Schulformen nicht geben, daher ist es kontraproduktiv, wenn zu den Schulneubauten 4 Gymnasien und mindestens 5 Förderschulen (Erweiterungen bzw. Neubauten) zählen. So wird auch künftig Inklusion nicht funktionieren.

Vor 10 Jahren arbeiteten in der Facharbeitsgruppe Schulraumqualität 70 Personen, je ca. 35 an pädagogischen Konzepten bzw. architektonischen und baulichen Standards. Während der Arbeit an pädagogischen Konzepten kristallisierten sich drei Fragen heraus, an denen intensiv gearbeitet wurde:

1. Wie muss eine Schule gestaltet sein, die der Inklusion verpflichtet ist?
2. Wie muss eine Schule für den Ganztagsbetrieb (möglichst im gebundenen Betrieb) ausgestaltet werden?
3. Wie müssen die Arbeitsbedingungen der im Team arbeitenden Pädagog*innen ausgestaltet werden?

Am Ende der Arbeit stand das Konzept der Compartmentschulen und die Überzeugung, dass die Neubauten vor allem für Gemeinschaftsschulen errichtet werden sollten. Sieht man sich das Ergebnis an, tritt Ernüchterung ein: 4 neue Gymnasien, 5 Förderschulen, 12 ISS, ca. 15 Grundschulen und lediglich 3 neue Gemeinschaftsschulen. ISS und Grundschulen sind ebenfalls Schulen des gemeinsamen Lernens. Dennoch wurden hier Chancen versäumt. An mindestens sechs Standorten gibt es in der Nähe der neu gebauten ISS Grundschulstandorte, die konzeptionell mit eingebunden werden müssten. Das ist den Verantwortlichen offenbar nicht wichtig und daher nicht geschehen.

Im Zusammenhang damit und sicher aus Anlass der der AGH Wahlen am 20.09.2026 fand auf Antrag der Grünen, der Linken und der CDU/SPD-Koalition eine Anhörung im AGH zum Aufbau neuer Gemeinschaftsschulen in der nächsten Legislaturperiode statt, zu der die GGG Berlin eingeladen war.

Fazit der Diskussion war, dass die Koalitionäre der alten Formel verhaftet bleiben, nach der jede Schulart ihre Berechtigung habe, der Elternwille berücksichtigt werden müsse und nicht jedes Kind zu jeder Schule passen würde. Sie stimmten dementsprechend gegen die Verdopplung der Gemeinschaftsschulen bzw. dagegen, dass es in jedem Berliner Bezirk künftig zwei neue Gemeinschaftsschulen geben soll. Letztlich eine gegen Inklusion wirkende Haltung. Die Grünen und die Linken waren sich weitgehend darin einig, dass Berlin mehr Gemeinschaftsschulen benötigt. Es bleibt spannend. Wir sind im Netzwerk der Gemeinschaftsschulen in der GGG optimistisch, dass sich etwas bewegen wird.

Robert Giese, Sprecher des Netzwerkes der Gemeinschaftsschulen Berlins, Vorsitzender der GGG Berlin

 

Hier ist die Stellungnahme der GGG für das Abgeordnetenhaus Berlin.