Gemeinnützige Gesellschaft Gesamtschule – Verband für Schulen des gemeinsamen Lernens e.V.

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Landesverband Niedersachsen

Zentrum für Empirische Bildungsforschung (ZEB) gegründet

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Niedersachsen will seine Aktivitäten in der empirischen Bildungsforschung in einer neuen institutionellen Struktur bündeln:

Das Zentrum für Empirische Bildungsforschung (ZEB) am Standort Lüneburg wird gemeinsam von der Leuphana Universität Lüneburg und der Leibniz Universität Hannover getragen. Die Finanzierung erfolgt über sechs Jahre mit rund 5,8 Millionen Euro aus dem Förderprogramm zukunft.niedersachsen des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur sowie der VolkswagenStiftung. Parallel dazu stellt das Programm weitere rund 4,1 Millionen Euro für begleitende Maßnahmen in einer „Forschungsallianz zur Interventions-, Implementations- und Transferforschung“ bereit. An dieser Allianz sind neben der Leibniz Universität Hannover auch die Technische Universität Braunschweig und die Universität Hildesheim beteiligt.

Die GGG Niedersachsen begrüßt die Einrichtung, die einen wissenschaftsbegründeten Transfer in der Schul- und Unterrichtsentwicklung leisten soll. Zunächst soll im Zentrum der Arbeit des ZEB die Kompetenzmessung von Lernenden und Lehrpersonen, innovative Ansätze des Bildungsmonitorings sowie datenbasierte und evidenzinformierte Schulentwicklung stehen. Das Zentrum versteht sich als Schnittstelle zwischen Bildungswissenschaft, Bildungspolitik und Bildungsadministration. Es soll Expertise bündeln, zentrale Akteure vernetzen und wissenschaftlich fundierte Grundlagen für politische Entscheidungen bereitstellen.

Die zur Verfügung gestellten Ressourcen sind beachtlich.

Dennoch werden Fragen aufgeworfen:

  • In Deutschland wird empirische Unterrichtsforschung von einer Vielzahl universitärer Institute, Arbeitsgruppen und außeruniversitärer Einrichtungen betrieben wie z.B. vom DIPF, IZef, KeBu, von  Instituten an den Universitäten und Pädagogischen Hochschulen in Karlsruhe, Leipzig, Dresden, Göttingen, Kassel uvm. Es könnten große Synergieeffekte bei der Zusammenarbeit der Einrichtungen entstehen.
    Warum wird nicht die Bündelung der wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Begleitung schulpolitischer Entscheidungen als eine wesentliche Aufgabe benannt?
  • In der bisherigen Zielsetzung ist nicht zu erkennen, wie sich empirische fachdidaktische Forschung wiederfindet. Beispielhaft ist das Freudenthal Institut der Universität Utrecht in den Niederlanden, aber auch in Deutschland gibt es viele Institute, die sich den Schwerpunkten Videoanalyse von Unterrichtsinteraktionen, evidenzbasierte Optimierung von Lernprozessen (Didaktik), Lehrerprofessionalisierung und Qualität der Lehrerbildung sowie Digitale Medien im Unterricht widmen.
  • Ein Zusammenspiel von Wissenschaft und Praxis im gegenseitigen Austausch befruchtet alle Beteiligten. Auch unter diesem Aspekt ist die Arbeit des Freudenthal Institutes als beispielhaft zu nennen.
    Wie kann verhindert werden, dass ein wissenschaftlicher Elfenbeinturm mit erheblichen Ressourcen ohne Kopplung mit der Praxis vor Ort entsteht?
  • Wie andere Länder wie Niederlande, aber auch Kanada zeigen, benötigen Schulen Unterstützungssysteme, um die wissenschaftlichen Erkenntnisse umzusetzen.
    Warum gibt es zu solchen Unterstützungssystemen keine Äußerungen oder gar Zielsetzungen?

Die Liste der Fragen ist nicht abschließend. Daher bleibt die Skepsis, inwiefern das Geld gut investiert wird und nicht hätte besser eingesetzt werden können.

Andreas Meisner