GEW und GGG – Große Gemeinsamkeiten und Überschneidungen

Fast zum gleichen Zeitpunkt haben GEW und GGG ihre bildungspolitischen Positionen gründlich überarbeitet. Dazu haben sie sich nicht abgesprochen und doch war es für beide Organisationen dran!

Beiden Papieren ging ein monate- bis jahrelanger organisationsinterner Diskussionsprozess voraus.

 

Das Positionspapier der GGG zur Weiterentwicklung der Schulen des gemeinsamen Lernens
https://ggg-web.de/wp-content/uploads/2025/12/250815_Positionspapier-finale-Fassung-nach-MV.pdf
Das Positionspapier GGG hat die Umgestaltung des selektiv ausgerichteten deutschen Schulsystems zum Ziel. Vor dem Hintergrund der Krise unseres Bildungssystems von bisher nicht gekanntem Ausmaß hat die GGG entschieden, ihre Positionen neu zu justieren mit dem Ziel, aktuell notwendige Schritte hin zu einer Schule für alle zu definieren.

Dies tut sie in drei Handlungsfeldern

  1. Positionen zur Weiterentwicklung der Schulstruktur, in der die zentralen Zielvorstellungen zur Verwirklichung des Rechts auf ein inklusives Schulsystem definiert werden.
  2. Positionen zur Schul- sowie Unterrichtsentwicklung und Pädagogik. Das pädagogische Handeln baut auf den vorhandenen Stärken der Schüler:innen auf.
  3. Positionen zur bedarfsgerechten Ausgestaltung und Personalversorgung der Schulen.

Das Positionspapier schließt mit dem Fazit, dass die GGG grundsätzlich die Umgestaltung des deutschen Schulsystems in ein Gesamtschulsystem fordert. Als Voraussetzungen dafür werden genannt:

  • die überzeugende Arbeit der Schulen des gemeinsamen Lernens,
  • die gesellschaftliche Zustimmung sowie
  • der politische Wille zu den erforderlichen Entscheidungen.

Damit werden der soziale Zusammenhalt und unser freiheitlich-demokratisches System gestärkt. Ein Gesamtschulsystem ist die Grundlage von Bildungsgerechtigkeit in der Demokratie.

Gemeinsamkeiten und Überschneidungen

Bei aller Unterschiedlichkeit im Ansatz (die Basis für das GEW Papier ist ihr spezifischer Bildungsbegriff, der Ausgangspunkt für die GGG ist ihr in der Satzung verankertes Ziel der  einen Schule für alle) haben wir sehr viele Gemeinsamkeiten in unseren Vorstellungen und Forderungen identifiziert.

Auch die GEW geht davon aus, dass die Zeit reif ist für einen neuen Aufbruch! Anja Bensinger-Stolze hat in der letzten HLZ im folgenden Absatz stringent  zusammengefasst, was für die GGG absolut anschlussfähig ist.

„Dabei sind die Schulstruktur und alle selektiven Hürden, an denen Kinder und Jugendliche scheitern können, in den Blick zu nehmen. Wie ist der Stand der Einrichtungen von Gesamt- beziehungsweise Gemeinschafts-Schule? Wie viel Flexibilität innerhalb und Durchlässigkeit zwischen den Bildungsgängen ist möglich? Wie (selektiv) sind die Übergänge zwischen den Schulen gestaltet? Aber auch die (Ziffern –) Noten und Versetzungsregelungen gehören auf den Prüfstand. Bei der Umsetzung von Inklusion im Schulwesen stehen zum Beispiel Kriterien wie schulgesetzliche Bestimmungen, die Entwicklung des Förderschulbereichs, Prävention und Sprachförderung oder auch Schulsozialarbeit zur Prüfung an.“

Legt man die Papiere übereinander, kommt es zu einer spannende Balance zwischen der Analyse des aktuellen Zustandes und den Möglichkeiten, die für die zukünftige Entwicklung des Systems bestehen.
Da Gegenwart und Zukunft nicht immer nahtlos miteinander zu verbinden sind, kommt der Entwicklung von Meilensteinen, wie sie die GEW für sich beschlossen hat, eine große Bedeutung zu. Das soll in den nächsten 10-20 Jahren geschehen. Und das wollen wir gemeinsam tun. Auch wenn dieser Zeitraum lang erscheinen mag, müssen wir bei dem Gegenwind, mit dem wir zu rechnen haben, umgehend anfangen. Die Meilensteine müssen konkret und überprüfbar und mit Erfolgsindikatoren versehen sein. Die 21 im GGG-Papier festgelegten Positionen könnte man auch als Meilensteine verstehen.

 Seit Verabschiedung der beiden Papiere sind Mitglieder aus dem GGG- und dem GEW-Vorstand in einem intensiven Austausch darüber, wie die Papiere und Positionen verbandsintern und öffentlich verankert werden können. Eine zentrale Rolle bei der im ersten Schritt organisationsinternen Etablierung kommt der Betrachtung und Beachtung der unterschiedlichen Bedingungen in den Bundesländern und Landesverbänden zu.

Der aktuelle Stand in der GGG
Die Mitglieder des Hauptausschusses der GGG (Vertreter:innern der Landesvorstände und der Bundesvorstand, er tagt zweimal im Jahr) haben sich für den nächsten Hauptausschuss im Februar 2026 die folgende Aufgabe zur Weiterarbeit mit dem Positionspapier gegeben:

Die Landesvorstände werden gebeten, Punkte zu gewichten, darzustellen, was bereits verwirklicht ist und wo die Landesvorstände Handlungsmöglichkeiten sehen. Diese sollen mit einer zeitlichen Perspektive versehen werden. Die Ergebnisse werden während der nächsten Sitzung des Hauptausschusses vorgestellt und diskutiert. 

Zudem wird eine Synopse dazu erstellt, welche gesetzlichen Vorgaben es in welchen Bundesländern gibt, die Freiheiten von Schulen für das gemeinsame Lernen eröffnen oder begrenzen.

Gemeinsam wollen GGG und GEW beraten, wie der weitere Prozess wissenschaftlich begleitet werden kann. Ein weiteres Aufgabenfeld ist für beide Organisationen die Auslotung und Ausweitung von Kooperationen, auch unter Berücksichtigung der jeweiligen Möglichkeiten in den Ländern.

Auch für die GEW-Landesverbände könnte ein Abgleich der GGG-Positionen mit der der schulpolitischen Wirklichkeit ihres Landes sicher nützlich sein. Vielleicht könnten die Landesverbände der beiden Organisationen dies gemeinsam tun und beraten, was davon kleine Schritte auf dem Weg zu einem gerechteren Bildungssystem sein könnten.

Wir sind gespannt auf die weitere Zusammenarbeit und freuen uns sehr, dass Anja Bensinger-Stolze an unserer nächsten Hauptausschuss-Sitzung teilnehmen wird.

 

Anna Ammonn, GGG-Bundesvorstand

 

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