Presseinformation
„Wir haben ein Produktivitätsproblem“, betont Bundeskanzler Friedrich Merz in aktuellen wirtschaftspolitischen Debatten. Dabei wird ein entscheidender Hebel häufig übersehen: Investitionen in Bildung sind Investitionen in die wirtschaftliche Zukunft unseres Landes.
Prof. Dr. Ludger Wößmann vom Ifo Institut für Wirtschaftsforschung unterstreicht:
„In der heutigen globalisierten Wirtschaft ist es volkswirtschaftlich von entscheidender Bedeutung, das Bildungspotenzial der gesamten Bevölkerung zu nutzen. Die frühe Aufgliederung in Deutschland ist dafür ein Hindernis.“
Diese Analyse ist eindeutig: Das gegliederte Schulsystem verstärkt Bildungsungleichheit und verhindert, dass vorhandene Potenziale voll ausgeschöpft werden.
Die Gemeinnützige Gesellschaft Gesamtschule (GGG) hat sich auf ihrer Hauptausschusssitzung gemeinsam mit der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) intensiv mit der Weiterentwicklung des deutschen Bildungssystems befasst. Grundlage ist das aktuelle Positionspapier der GGG[1]. Orientierung bieten erfolgreiche Schulen des gemeinsamen Lernens.
Das muss passieren!
Aus der Schulforschung wissen wir, dass es den integrierten Schulen gelingt, den Zusammenhang von sozialer Herkunft und Lernerfolg deutlich zu reduzieren, ohne leistungsstarke Schüler:innen zu bremsen.
- So gelingt es den integrierten Schulen, das Potential von Jugendlichen in deutlich stärkerem Maß zu entfalten als im gegliederten System. Regelmäßig zeigen Untersuchungen der Gesamtschulen z.B. in NRW, dass ein Großteil ihrer Abiturienten keine gymnasiale Empfehlung der Grundschule hatte.
- So zeigen die Schulen des gemeinsamen Lernens vornehmlich in den Bundesländern, die nur noch wenige Schularten haben, dass Inklusion gelingen kann. In BE, HB, HH und SH konnte die Exklusionsquote auf ca. 2 % und weniger gesenkt werden. Die
GGG Niedersachsen hat aktuell einen Leitfaden für eine „Kultur des Behaltens“ vorgelegt.
- So fördern Schulen des gemeinsamen Lernens, idealerweise von der Primarstufe bis zur Oberstufe (Langformschulen) Kontinuität, Chancengleichheit, soziale Stabilität und echte Inklusion über alle Schulstufen hinweg – ein Signal an Eltern, dass ihr Kind dort seinen ganzen Bildungsweg gehen kann.
- So gelingt es vielen integrierten Schulen mit Programmen zur Begabungsförderung, Spitzenleistungen auch bei Schüler:innen zu erzielen, von denen dies zunächst nicht erwartet wurde. Kein Wunder, dass die Mehrheit der Schulen, die mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet wurden, Schulen des gemeinsamen Lernens sind. Exzellenz braucht keine Auslese!
- So gelingt es integrierten Schulen, Kompetenzen im Umgang mit Vielfalt zu vermitteln – eine Grundlage für Demokratiefähigkeit und zudem unerlässlich in den meisten Berufen. Ein Schulsystem hingegen, dessen zentrales Qualitätsmerkmal größtmögliche Homogenität und Selektion sind, kann dies nicht leisten.
Dieter Zielinski, Vorsitzender der GGG, wendet sich mit einem Appell an die Schulpolitik und die Schulverwaltungen der Länder: „Wenn wir die Potentiale unserer Kinder entfalten wollen, muss das Schulsystem sich von der Exklusion abwenden. Wir brauchen ein inklusives Schulsystem. Dessen Grundlage und Orientierungspunkte müssen die erfolgreichen Strukturen, Konzepte und Qualitätsmerkmale der Schulen des gemeinsamen Lernens sein.“
Anja Bensinger Stolze, Vorstandsmitglied GEW für den Bereich Schule, Gast auf der HA-Sitzung, ergänzt: „Das selektive Schulsystem ist eine der hartnäckigsten Barrieren für die Inklusion. Alle Schulen müssen sich zu Lernorten weiterentwickeln, in denen alle Kinder und Jugendlichen in ihrer Unterschiedlichkeit willkommen sind, sich wohlfühlen und individuell gefördert werden. Deshalb: Eine Schule für alle!“
Hauptausschuss der GGG, Bad Sassendorf 22.2.2026
[1] Hier ist das Positionspapier als PDF-Dokument.