Wir müssen die Proteste der Jugend ernst nehmen!

Die GGG begrüßt, dass junge Menschen ihre Anliegen selbst in die Hand nehmen und öffentlich dafür eintreten. Die Jugendlichen kritisieren zu Recht unter anderem den maroden Zustand vieler Schulen, Kürzungen im Bildungsbereich und den zunehmenden Fachkräftemangel an Schulen.

Mit Sorge stellt die GGG allerdings fest, dass sich viele politische Verantwortliche und große Teile der Medien weniger mit den Inhalten und Forderungen der Proteste als vielmehr mit den im Vorfeld befürchteten gewalttätigen Ausschreitungen beschäftigt haben. Diese sind während der Demonstrationen weitgehend ausgeblieben. Auch die Veranstalter haben sich klar von gewalttätigen Aktionen im Anschluss an die Demonstrationen distanziert. Dennoch konzentrieren sich die öffentliche Kommentierung und Berichterstattung weiterhin vor allem auf die Ausschreitungen nach den Protesten – die im Übrigen auch bei den Halloween-Feierlichkeiten seit Jahren und mit zunehmender Tendenz zu beobachten sind.
Damit droht das eigentliche Anliegen der Jugendlichen aus dem Blick zu geraten.

Zugegeben: Nicht alle Forderungen aus dem Umfeld der Proteste sind gleichermaßen klar und differenziert formuliert. Doch das ändert nichts an der grundlegenden Berechtigung ihres Anliegens. Die ältere Generation hinterlässt den jungen Menschen mit Infrastrukturkrise, Klimakrise, Bildungskrise, Demokratiekrise, Sicherheitskrise, Demografiekrise, Wirtschaftskrise eine gewaltige Hypothek. Junge Menschen haben allen Grund, diese Entwicklung nicht einfach hinzunehmen und ihre Interessen selbstbewusst zu vertreten. Das rechtfertigt weder Gewalt noch jede einzelne Forderung oder Äußerung aus dem Umfeld der Proteste. Es darf aber auch nicht dazu führen, dass die berechtigten Anliegen der Jugendlichen diskreditiert oder an den Rand der öffentlichen Debatte gedrängt werden.

Die Politik hat viel zu lange versäumt, auf die Sorgen und Forderungen der jungen Generation angemessen zu reagieren. Wer ihre Anliegen weiterhin überhört und Protest vor allem als Störung wahrnimmt, riskiert, das Vertrauen junger Menschen in demokratische Institutionen weiter zu schwächen. Wo Beteiligung und politische Antworten ausbleiben, können Enttäuschung, Politikverdrossenheit und Radikalisierung wachsen.

Deshalb ist es überfällig und erfreulich, dass nun, nach den Protesten, die Bildungsministerin Karin Prien mit den Jugendlichen „tiefer ins Gespräch kommen“ will und die SPD einen Bildungsgipfel ins Gespräch bringt. Allerdings müssen Gesprächen Taten folgen.

Die GGG unterstützt das Recht junger Menschen sich einzumischen, für ihre berechtigten Interessen einzutreten und Veränderungen einzufordern. Von den politisch Verantwortlichen erwarten wir, dass sie sich ernsthaft mit ihnen auseinanderzusetzen.

Der Bundesvorstand der GGG

November 2026