Alle Jahre wieder……so kann man das formulieren, gewinnen mehrheitlich Schulen des längeren gemeinsamen Lernens beim Deutschen Schulpreis und werden für ihre innovativen, individualisierenden und schülerorientierend Konzepte ausgezeichnet.
Der Bundeskanzler oder der Bundespräsident überreichen die Preise, es wird gefeiert und gelobt – und das mit Recht. Diese Schulen fördern und fordern ihre Schülerinnen und Schüler mit individuellen Lernwegen und -angeboten und tragen so zu einer größeren Bildungsgerechtigkeit bei.
Aber warum bleibt es bei diesem alljährlichen Highlight? Warum lernen die bundesdeutschen Bildungsministerien nichts aus diesen positiven Beispielen und fangen endlich an die Segregation in unserem Bildungswesen abzuschaffen? Deutschland verharrt in einem viergliedrigen Schulsystem und beklagt immer wieder die schlechten PISA-Ergebnisse. In unserem Land hängt der Erfolg in Schule und beim Lernen im europäischen Vergleich am meisten vom Elternhaus ab. Das ist undemokratisch, lässt Ressourcen brachliegen und spaltet unsere Gesellschaft.
Wir brauchen ein anderes, ein inklusives Schulsystem, das allen Kindern und Jugendlichen gerecht wird. Lernen mit- und voneinander, selbständig und kooperativ, inner- und außerhalb des Schulgebäudes an konkreten und lebensnahen Themen und Projekten, unterstützt und angeleitet von Lernbegleitern und Lernbegleiterinnen in multiprofessionellen Teams – das ist ein zukunftsfähiges und demokratisches Schulkonzept.
Wir gratulieren allen Preisträgerschulen sehr herzlich, allen voran der Bertha-von-Suttner-Gesamtschule mit Oberstufe aus Mörfelden-Waldorf in Hessen. Sie beweist, dass große Systeme positive Lernwege gestalten können. Alle diesjährigen Preisträgerschulen sind Schulen, in denen gemeinsam und differenziert gelernt und gearbeitet wird: eine Grundschule, ein Oberstufengymnasium als Fortsetzung der Gesamtschule, zwei berufliche Schulen, zwei integriert arbeitende Mittelstufenschulen.
… und dann gibt es da noch die Stadtteilschule Wilhelmsburg in Hamburg, die als sehr große Schule mit einer sehr heterogenen Schüler:innenschaft den Sonderpreis für soziales Lernen erhielt. Aus der Laudatio: Die Stadtteilschule Wilhelmsburg zeigt beispielhaft, wie Schule gesellschaftliches Miteinander im Alltag aktiv gestaltet und einübt – als Grundlage für demokratische Teilhabe und ein gelingendes Zusammenleben in einer vielfältigen Gesellschaft.
Das bestätigt uns in unserer Arbeit und die Gemeinnützige Gesellschaft Gesamtschule wird sich weiter für die eine Schule für alle einsetzen.
Konstanze Schneider
Vorsitzende der GGG