Nachdem die beiden Herausgeber im Eingangskapitel einen Mythos als „tradierte und stabile (Fehl-)Vorstellung“ der Berücksichtigung „wissenschaftlicher Theorien und empirischer Befunde“ gegenüberstellen, gehen eine Vielzahl von AutorInnen in den folgenden Kapiteln auf 33 der vielen möglichen Mythen ein, prüfen (vorgeblich) zugrundeliegende Befunde, gehen auf wissenschaftliche Untersuchungen zu den jeweiligen Themenbereichen ein und geben Anregungen für Unterrichtspraxis und Schulpolitik. Dabei werden die Mythen in fünf Themenbereiche gegliedert: Mythen über wirksamen Unterricht, Mythen über SchülerInnen, Neuromythen, Mythen über die Schule und ihre Gestaltung sowie Mythen über Lehrpersonen. Allen Kapiteln schließen sich umfangreiche Literaturangaben zum vertiefenden Weiterlesen an. Insofern ist dieses Buch allen Lehrkräften zu empfehlen, die bereit sind, immer mal wieder innezuhalten und ihre Unterrichtspraxis zu reflektieren, z. B. wenn es um Hausaufgaben, Individualisierung oder unterschiedliche Lerntypen geht. Aber auch EntscheiderInnen in der Schulpolitik können dieses Buch mit Gewinn lesen, etwa wenn es um den Nutzen des Sitzenbleibens geht, um die Frage, ob Inklusion leistungsstarke SchülerInnen ausbremst oder – grundlegend für die GGG – ob ein gegliedertes Schulsystem besser ist als ein eingliedriges. Soviel sei hier schon einmal verraten: „Die dargelegten … Argumente sprechen … mehrheitlich gegen eine Gliederung der Schulstruktur“ (S. 238).
Hier geht es zu einer gut 20-seitigen Leseprobe einschließlich des vollständigen Inhaltsverzeichnisses mit einer Übersicht über alle 33 Mythen: https://beltz.de/fachmedien/paedagogik/33-mythen-ueber-schule-und-unterricht/BEL25961
Andreas Baumgarten