GGG NI Logo 2024 220x97
Niedersachsen
Aktuell
­

– pädagogische Herausforderungen in Zeiten der Hasspolitik

Länderbericht 2019/1
GGG-Fachtag in Stadthagen (IGS Schaumburg) und Mitgliederversammlung

Die GGG Niedersachsen veranstaltet jährlich eine Fachtagung, die vornehmlich Anstöße zur schulinternen Weiterentwicklung bieten soll. 2018 lautet der Titel“ Demokratie und Emotion – pädagogische Herausforderungen in Zeiten der Hasspolitik“.

Demokratie und Gesamtschularbeit sind eng miteinander verbunden: „Gemeinsam Leben und Lernen“ ist ein demokratischer Wert, der sich in partizipativen Organisations- und Lernstrukturen und gleichwürdigen Handlungs- und Kommunikationsformen im System Gesamtschule kristallisiert. Demokratie erfahren und reflektieren ist somit eine pädagogische Aufgabe und Herausforderung im alltäglichen Zusammensein an Gesamtschulen. Fast 70 Jahre nach der Einführung des Grundgesetzes kommt dieser Aufgabe besondere Bedeutung zu: nach wie vor als Ziel einer humanen Schule - und vor dem Hintergrund neuerer gesellschaftlicher Entwicklungen in besonderem Maße.

Kurt Edler begleitete als Referent und Moderator durch diesen Tag. Neben seiner beruflichen Tätigkeit als Lehrer und Fortbildner engagierte sich Edler in der GAL in Hamburg. Heute ist er Mitwirker im Hamburger Beratungsnetzwerk gegen Rechtsextremismus und im Hamburger Netzwerk Prävention und Deradikalisierung. Seit 2008 ist er Bundesvorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Demokratiepädagogik e.V., seit 2009 deutscher Koordinator im Programm „Education for Democratic Citizenship and Human Rights“ des Europarats mit den Arbeitsschwerpunkten Rechtsextremismus, Islamismus, Schuldemokratie und Anti-Diskriminierung.

Kolleginnen und Kollegen von Gesamtschulen in Niedersachen sowie Schulleitungsmitglieder, teilweise im kompletten Leitungsteam, verfolgten die Ausführungen des Referenten mit großem Interesse und arbeiteten in Gruppen zu verschiedenen „Fällen“.

Thematisch ging es im Vortrag, in den Gruppen und während des Schlussplenums um:

  • Verständigung über die Gefährdung der Demokratie
  • Grundkenntnisse über die Wirkungsweise „politischer Emotionen“
  • Grundrechtsklarheit im Werte- und Kulturkonflikt
  • Emotionale Inklusion
  • Tipps für eine empathieförderliche Schulentwicklung

Die Teilnehmer/innen stellten für ihre Schulform fest, dass verlässliche Teamstrukturen und die positive Grundhaltung gegenüber Heterogenität gute Gelingensbedingungen sind, wenn es um Entwicklung von Toleranz und demokratisches Bewusstsein an Schulen geht. Trotzdem wurde auch sehr deutlich, dass solche Haltungen gepflegt werden müssen. Eine ständige Rückversicherung innerhalb von Kollegien, gerade bei einer derzeit relativ hohen Personalfluktuation, ist geboten.

Mitgliederversammlung

Zur Mitgliederversammlung begrüßte der bisherige – und neue – Landesvorsitzende, Andreas Meisner, die zahlreich versammelten Mitglieder. Der Rechenschaftsbericht des Vorstands konzentrierte sich auf die intensiven und inzwischen auch erfolgreichen Versuche, im Sinne der Gesamtschulen Einfluss auf die Bildungspolitik in Niedersachsen zu nehmen und die Interessen dieser Schulform zu vertreten. Ein weiterer Aspekt im Bericht waren die Angebote der GGG an Schulen und Schulleitungen zur Vernetzung und Fortbildung.

Zu den politischen Forderungen konnte festgestellt werden, dass die „Wahlprüfsteine“ der GGG zu Landtagswahl im Januar 2018 nach wie vor nichts an Aktualität eingebüßt haben.

Unter großem Applaus verabschiedet wurden nach langjähriger Mitarbeit im Vorstand:
Jan-Peter Braun und Wolfgang Kuschel. Zwei neue Mitglieder verstärken die Vorstandsarbeit: Sven Schickerling aus Hannover und Markus Feldmann aus Lüneburg.

In der sich anschließenden intensiven bildungspolitischen Aussprache wurden folgende Aspekte angesprochen und z.T. vertiefend diskutiert:

  • Entwicklung schulischer Angebote im ländlichen Raum/die Rolle von Gesamtschule dabei,
  • Der Aufbau neuer Gesamtschulen und die Forderung nach einem stabilen Personaltableau,
  • Die Quereinsteiger-„Problematik“, die viele Gesamtschulen betrifft,
  • Die fehlende bildungspolitische Perspektive von Bündnispartnern im politischen Raum.

RAIMUND OEHLMANN