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Horst von Hassel

Nachruf
Er hat die Anerkennung der Gesamtschul-Abschlüsse in der KMK durchgesetzt

Er war stolz auf das Bremische Schulgesetz von 1975, das er als Bürgerschaftsabgeordneter maßgeblich mitgestaltete. Zu seinen größten politischen Erfolgen gehörte ebenso, dass er als Bildungssenator in der Kultusministerkonferenz (KMK) die bundesweite Anerkennung der Gesamtschul-Abschlüsse gegen große Widerstände durchsetzte. Bis ins hohe Alter stritt er energisch für die Gesamtschule als Schule des gemeinsamen Lernens und setzte sich zudem friedenspolitisch für Abrüstung ein: Der frühere stellvertretende GGG-Bundesvorsitzende Horst von Hassel – er hatte diese Funktion von 1982-90 inne – verstarb Anfang Juni im Alter von 92 Jahren in Bremen.

Sein Leben lang war der Pädagoge und spätere Schulleiter ein dialogfähiger, aber auch streitbarer politischer Mensch mit festen Überzeugungen, für die er mit geradem Rücken einstand. Dabei wusste er, vofür er warb. Denn er wirkte von 1967 bis 1971 an der Heinrich-Heine-Schule in seiner Heimatstadt Bremerhaven beim Aufbau eines Gesamtschulversuchs verantwortlich mit.

Chancengleichheit und Chancengerechtigkeit waren für ihn keine leere Formel, jedes Kind sollte zu seinem größtmöglichen Erfolg geführt werden. Das geht eben nur in der Gesamtschule als Schule für alle Kinder, in der die Kinder nicht mehr in verschiedene Schulformen sortiert werden. Auch wenn in der Bildungspolitik leider so manche Rolle rückwärts vollzogen wurde: Horst von Hassel hoffte bis zuletzt, dass die demokratische Schule nach dem Vorbild Finnlands eines Tages das vielgliederige Schulsystem in Deutschland ablöst.

Das GEW-Urgestein mit über 70jähriger Mitgliedschaft forderte seine jüngeren Kolleginnen und Kollgen dazu auf, sich unangepasst nicht alles bieten zu lassen, sondern die Bildungs- und Gesellschaftspoliktik kritisch zu begleiten. Da hatte Horst von Hassel so seine eigenen Erfahrungen gemacht. Offenbar um eigene Fehler als Bildungssenator zu verdecken erklärte der einst SPD-Linke Henning Scherf 2002, das bremische PISA-Ergebnis sei die Quittung für die Bildungspolitik, die die SPD seit 1947 in Bremen zu verantworten habe. Dies kommentierte von Hassel unter anderem mit den Worten: „Wenn Herr Scherf allerdings einräumen wollte, dass die Ursachen für das PISA-Desaster nach 1990 zu suchen sind, weil im Bildungsbereich nur gespart wurde und halbherzige Zugeständnisse an bürgerliche Koalitionspartner zu einem strukturellen Durcheinander führten, dann würde ich ihm nicht widersprechen“.

Es blieb aber nicht bei diesem Widerspruch: Horst von Hassel zog nach 40jähriger Mitgliedschaft in der SPD die Konseqenz und verließ die Partei. Weil jetzt in Partei und Senat andere Politiker wirken, gelang es einem befreundeten früheren Senator, ihn wenige Monate vor seinem Ableben davon zu überzeugen, wieder der Partei beizutreten. Der Tod hindert den Exponenten einer fortschrittlichen Bildungspolitik daran, sich wieder mehr politisch einmischen. Die GGG trauert mit den Angehörigen um einen Verfechter moderner Schulstruktur. Horst von Hassel bleibt Vorbild für die Forderung nach der Schule der Zukunft: die eine Schule für alle!

HERMANN PAPE