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Aus der Krise lernen - die Zukunft gestalten

In der Corona-Krise ist offensichtlich geworden, dass bildungspolitischer Anspruch und Schulwirklichkeit oft noch weit auseinanderklaffen. Wir wollen mit diesem Aufruf dazu beitragen, die Krise als Chance zu sehen und zum Anlass zu nehmen, unser Bildungssystem zukunftsfähig zu machen. Erforderlich ist eine grundlegende Bildungsreform.

 Aus der Krise lernen - die Zukunft gestalten

 Die Erfahrungen aus der Zeit der Schulschließungen und der Wiedereröffnung der Schulen haben uns erneut klar gemacht, dass neben wirtschaftlichem Wachstum und materiellem Erfolg zum Gelingen und insbesondere zum sozialen Zusammenhalt einer demokratischen Gesellschaft weitere Fähigkeiten dringend erforderlich sind: u.a. im sozialemotionalen Bereich, in Bezug auf Demokratiebildung, Bildung für nachhaltige Entwicklung und kulturelle Bildung.

Besonders wichtig ist uns dabei, dass in der Schule der Zukunft Partizipation auch als Beteiligung an Entscheidungen über eigenes Lernen im Vordergrund steht. Dazu müssen Schülerinnen und Schüler vom Eintritt in die Schule bis zum Verlassen des Systems Zeiten und Freiräume haben. Sie brauchen Unterstützung, Bestärkung und Erfahrung beim Verfolgen eigener Lernwege und Lernideen. Das stärkt ihre Selbstwirksamkeit und ihre Resilienz. Dabei muss nicht alles neu erfunden werden. Es gilt, vorhandene Schätze in den Schulen zu heben und die vielfältigen Erfahrungen zwischen den Schulen auszutauschen.

Die entscheidenden Fragestellungen lauten:
  • Was können und sollen junge Menschen in der Schule wirklich lernen?
  • Was ist essentiell für einen solidarischen Umgang miteinander, für einen nachhaltigen Umgang mit der Natur, für ein erfülltes, gelingendes Leben als selbstbestimmtes Mitglied einer demokratischen Gesellschaft?
  • Wie muss ein den Menschenrechten verpflichtetes und einer demokratischen Gesell-
    schaft angemessenes Schulsystem aussehen?

Zurzeit ist noch offen, wann die Krise überwunden wird und wieder ein normaler Schul-
betrieb möglich sein wird.

Wir verzichten hier darauf, konkrete Übergangsszenarien zu beschreiben,

weil dafür gute Anregungen von der Friedrich-Ebert-Stiftung (Schule in Zeiten der Pandemie – Empfehlungen für die Gestaltung des Schuljahres 2020/211), der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (Leitlinien: Kurz- und langfristige Perspektiven für den Umgang mit der Corona-Pandemie im Schulbereich) vorliegen.

Die Petition „Güterabwägung in der Krise“ an den Bundestag, die Hans Brügelmann u.a. auf den Weg gebracht haben, wird von der GGG als Erstunterzeichnerin unterstützt.

Kernforderungen der GGG

Wir müssen über Versäumtes und falsch gesetzte Prioritäten in der Bildungspolitik nachdenken und durch bewusstes Aufarbeiten schließlich ein (neues) Verständnis von Bildung und Lernen in den schulischen Alltag aller Schulen integrieren. Die erforderlichen Veränderungen sind nur in der einen gemeinsamen Schule für alle realisierbar. Eine Schule für alle sieht Heterogenität und Andersartigkeit von Menschen nicht als Belastung, sondern als Potential auf dem Weg einer Gesellschaft der Vielfalt und Teilhabe aller. Lehreraus- und fortbildung müssen Lehrkräfte darin befähigen und dabei unterstützen, die Verschiedenheit von Kindern annehmen zu können, produktiv wirksam werden zu lassen und allen Schülerinnen und Schülern erfolgreiche Lernprozesse zu ermöglichen.

Eine solche Umsteuerung erfordert Vertrauen, gegenseitige Wertschätzung, Offenheit und Respekt zwischen allen beteiligten Gruppen in Schule und der Bildungspolitik. Begonnen werden muss damit sofort, wohl wissend, dass der erforderliche Paradigmenwechsel Zeit braucht.

Deshalb fordern wir zu einer grundlegenden Bildungsreform auf.

Unser Aufruf richtet sich an alle, die in Bund und Ländern bildungspolitische Verantwortung tragen. Darüber hinaus sprechen wir diejenigen an, die von den Entscheidungen zum Bildungssystem direkt betroffen sind aber auch jene, die in Bildungsverwaltung, Verbänden und Initiativen die Entscheidungsfindungen begleiten.

Wir fordern als GGG eine breite gesellschaftliche Diskussion über die Zukunft der Schule und Bildung und werden uns daran aktiv beteiligen.


Für den Bundesvorstand
Gerd-Ulrich Franz
Vorsitzender
Im August 2020

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