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Länderbericht Hamburg 2018/4

Noch knapp zwei Jahre bis zur nächsten Hamburger Bürgerschaftswahl, doch schon heute wird die Absicht der Regierungsparteien deutlich, den sog. Schulfrieden zu verlängern. Damit scheint frühzeitig besiegelt, dass wie in den letzten Jahren und nun bis 2025 die Debatte um die Schulstruktur tabuisiert und das Zwei-Säulen-Modell seitens (Schwarz-)Rot-Grün als erfolgreich und alternativlos dargestellt werden soll.

 Eine so frühe strategische Festlegung macht deutlich, dass man weiterhin die entscheidenden Fragen um Bildungsgerechtigkeit in der Stadt nicht aktiv anpacken will. Wir fürchten, dass dies für viele Kinder in Hamburgs armen Stadtteilen bedeutet, dass die erwiesenermaßen enge Koppelung zwischen sozialer Herkunft und Schulerfolg fortgeschrieben wird – also weiterhin keine nachhaltige und strategische Gegen-Steuerung durch die Politik zu erwarten ist. Dass zudem – wie bisher – Inklusion weiterhin fast ausschließlich an Stadtteilschulen stattfindet und dass das Zweisäulensystem aus Gymnasien und Stadtteilschulen manifestiert wird.

In dieser Gemengelage sieht die GGG Hamburg es als ihre Aufgabe an, mit einer Reihe von Veranstaltungen deutlich einen Kontrapunkt zu setzen. In Fortführung der Kampagne „zusammen leben – zusammen lernen“ (wir berichteten) werden wir gemeinsam mit dem VIHS und dem Hamburger Grundschulverband im September ein Basketballevent für gemischte Grund- und Stadtteilschulklassen mit dem bekannten Basketballspieler Marvin Willoughby und seinen Hamburg Towers ausrichten. Eine Veranstaltung zum Thema: „Gemeinsam lernen hat Erfolg (und wir können es belegen)“ mit Prof. Dr. Johannes Bastian und dem Staatsrat a.D. Ulrich Vieluf folgt am 6.11.2018. Am Tag der Menschenrechte – dem 10.12.2018 – wollen wir mit der Veranstaltung „stadt macht bildung II: Die wachsende Stadt (bildungs-)gerecht gestalten“ Fragen der Stadt- und der Schulentwicklung erneut in den Mittelpunkt stellen und dabei einen Auftakt zur Diskussion um die Frage, wie ein Bildungscampus (z.B. in der Hafencity oder in Neugraben) aus fachlicher und bildungspolitischer Sicht gestaltet werden könnte und sollte.

Weitere Veranstaltungen in 2019 sind in Planung – so z.B. ein „Kunstevent“ mit Schülerinnen und Schülern zum Thema „zusammen leben zusammen lernen“ im Rathaus Hamburg. Unser Ziel, den öffentlichen Diskurs um das gemeinsame Lernen wieder zu beleben und zu intensivieren, ist nur erreichbar, wenn wir eine breite Unterstützung von Schulen, Verbänden, Vereinen und Personen erreichen. Auch hieran arbeiten wir derzeit intensiv.

Die Debatte um die Weiterentwicklung des zwei-Säulen-Systems war nicht nur Schwerpunktthema der Mitgliederversammlung am 27.9.2018, sondern wird darüber hinaus auch eine zentrale Frage auf der für den Herbst geplanten großen Veranstaltung zur ersten Gesamtschulgründung vor 50 Jahren in Hamburg sein.

Barbara Riekmann